Martin Schindler ist im deutschen Darts längst eine feste Größe – und in der PDC mehr als nur „mit dabei“. Unter seinem Spitznamen „The Wall“ hat sich der Spieler aus Strausberg über Jahre in die Profigesellschaft gekämpft: zäh, belastbar, oft nervenstark auf den Doppeln – und seit 2024 auch ein Titelträger, der auf der European Tour nicht nur gute Tage hat, sondern Turniere gewinnen kann.
Was Schindler auszeichnet, ist weniger der laute Auftritt als die Konstanz: Tour Card, Pro-Tour-Alltag, Majors, Druckspiele – und immer wieder die Fähigkeit, nach Rückschlägen die nächste Leistung zu liefern. Gerade diese Mischung macht ihn zu einer Schlüsselfigur, wenn es um deutschen Dartsport auf Weltbühne geht.
Im Zeitraum 2023 bis 2025 liegt sein Profil besonders klar auf dem Tisch: starke Major-Läufe 2023, ein Titelsprung 2024, ein harter WM-Dämpfer – und 2025 die Bestätigung mit weiteren Trophäen. Dieses Porträt zeigt, wie Martin Schindler in der PDC zur deutschen „Wand“ geworden ist.
The Wall: Profil, Stil und Rolle im deutschen Darts
Der Spitzname „The Wall“ ist für Martin Schindler mehr als ein Marketing-Label. Er spielt auf die Berliner Mauer an – und passt sportlich, weil Schindler für Gegner oft schwer zu „durchbrechen“ ist. Seine Matches leben von Phasen, in denen das Scoring Druck aufbaut, und von Momenten, in denen er sich über Timing und Checkout-Qualität in einen Rhythmus zieht.
In der PDC ist das ein entscheidender Unterschied: Wer sich über Jahre halten will, braucht nicht nur Höhepunkte, sondern eine Tour-Fitness, die an einem Dienstag-Nachmittag auf dem Floor genauso funktioniert wie am Samstagabend im TV-Licht. Schindler hat genau diese Stabilität Schritt für Schritt aufgebaut.
Für den deutschen Darts-Boom ist er dadurch ein zentraler Bezugspunkt: als Tour-Professional, als verlässlicher Teamspieler im World Cup of Darts – und seit seinen Titeln als Beweis, dass deutsche Spieler auch international Trophäen holen können.
Karriereweg: Tour Card, Aufbaujahre, Durchbruch
Schindler ist seit 2015 in PDC-Wettbewerben aktiv und holte sich 2017 die Tour Card – der Schlüssel für den dauerhaften Einstieg in die Pro Tour. Von da an ging es weniger um Glamour, sondern um harte Routine: Qualifikationen, Players Championships, European-Tour-Starts und die permanente Jagd nach Preisgeld für die Rangliste.
Parallel sammelte er frühe internationale Erfahrungen: Auf der Nachwuchsebene erreichte er 2018 das Finale der PDC World Youth Championship. Später folgten Major-Teilnahmen, bei denen er sich zunehmend nicht nur für Felder qualifizierte, sondern in entscheidende Runden vorstieß.
Der eigentliche Durchbruch im Sinne von „Jetzt gewinnt er auch Titel“ kam dann ab 2024 – und veränderte die Wahrnehmung von Martin Schindler spürbar: vom unangenehmen Gegner zum Spieler, der Turniere schließen kann.
Die größten Erfolge: Titel, Major-Läufe, Meilensteine
Die Vita von Martin Schindler lässt sich heute sehr konkret über Ergebnisse erzählen – und zwar über Ergebnisse, die in der PDC Gewicht haben. Hier eine Auswahl der größten Erfolge seiner Karriere:
- International Darts Open 2024 (European Tour): Titelgewinn – Finalsieg 8:5 gegen Gerwyn Price
- Swiss Darts Trophy 2024 (European Tour): Titelgewinn – Finalsieg 8:7 gegen Ryan Searle
- Austrian Darts Open 2025 (European Tour): Titelgewinn – Finalsieg 8:4 gegen Ross Smith
- Players Championship 8 (2025): erster Players-Championship-Titel – Finalsieg 8:1 gegen Jeffrey de Graaf
- World Grand Prix 2023: Viertelfinale (Last 8)
- UK Open 2023: Viertelfinale (Last 8)
- World Cup of Darts: Halbfinale 2023 und Halbfinale 2025
- PDC World Youth Championship 2018: Finale (Vize)
- Meilenstein 2024: erster deutscher Neun-Darter auf der European Tour (Hungarian Darts Trophy)
Auffällig ist dabei die Entwicklung: 2023 zeigte er, dass er bei Majors in die letzten Acht marschieren kann. 2024 und 2025 kam die Titelkomponente dazu – und damit die Art von Erfolgen, die eine Karriere nachhaltig aufwerten.
Walk-on-Song und Bühne: Musik, Marke, Haltung
Auch über die Einlaufmusik ist Martin Schindler als PDC-Profi klar erkennbar. In seinem Profil werden als Walk-on-Songs unter anderem „J’adore Hardcore“ (Scooter) sowie „Without Me“ (Eminem) genannt – bei European-Tour- und European-Championship-Auftritten lief er zudem zeitweise zu „Ich will“ (Rammstein) ein.
Gerade bei diesem Thema zeigte Schindler öffentlich eine klare Haltung. Als die Diskussion um Rammstein groß wurde, kündigte er an, den Song nicht mehr zu nutzen – mit dem Satz: „Ich will mich da einfach distanzieren und raushalten, fertig.“
Solche Entscheidungen sind im Darts mehr als Nebensache: Walk-on-Songs sind Identität, Gewohnheit, Nervenkontrolle. Schindler wirkt auf der Bühne ohnehin selten überdreht – und genau das passt zur Marke „The Wall“: nüchtern, professionell, fokussiert auf den nächsten Dart.
2023 bis 2025: Titelsprung, WM-Drama, Bestätigung
2023 war ein Jahr, in dem Martin Schindler sportlich die nächste Tür aufstieß. Bei den UK Open und beim World Grand Prix schaffte er jeweils den Sprung ins Viertelfinale – ein klares Signal, dass er nicht nur „Tour-Spieler“, sondern auch in Major-Form ein gefährlicher Gegner ist. Dazu kam ein starker World Cup of Darts, bei dem Deutschland 2023 das Halbfinale erreichte.
Bei der Darts-WM 2024 gelang ihm ein weiterer sichtbarer Schritt: Er erreichte die dritte Runde (Last 32). In seinem Auftaktmatch bezwang er Jermaine Wattimena mit 3:1 in Sätzen, ehe er in einem engen Sieben-Satz-Spiel mit 3:4 gegen Scott Williams ausschied. Es war eine WM, die zeigte: Schindler kann im Ally Pally bestehen – aber auf diesem Niveau entscheiden oft kleine Details über das Weiterkommen.
2024 war gleichzeitig das Jahr, in dem aus dem etablierten Top-Spieler ein Titelträger wurde. Mit dem Triumph bei den International Darts Open und dem Sieg bei der Swiss Darts Trophy gewann Schindler gleich zwei European-Tour-Events. Dazu kam ein weiterer Meilenstein: Bei der Hungarian Darts Trophy warf er den ersten deutschen Neun-Darter auf der European Tour – ein Moment, der im deutschen Darts einen besonderen Platz hat.
Die Darts-WM 2025 brachte dann den harten Kontrast. Schindler schied in seinem Auftaktspiel (zweite Runde) mit 0:3 in Sätzen gegen Callan Rydz aus. Seine eigene Einordnung fiel entsprechend drastisch aus – er sprach im Anschluss von einer „Katastrophe“. Solche Abende gehören zur Realität im Profi-Darts: Wer die Spitze angreifen will, muss lernen, auch die bitteren Tage auszuhalten.
2025 zeigte Schindler dann die vielleicht wichtigste Qualität für eine lange PDC-Karriere: die Antwort. Er gewann in Hildesheim seinen ersten Players-Championship-Titel und holte in Österreich den nächsten European-Tour-Pokal. Nach dem Players-Championship-Erfolg sagte er offen: „Wenn ich ehrlich bin, habe ich heute nicht großartig gespielt, aber ich habe meine Spiele gewonnen – und das ist das Wichtigste.“
Nach dem Austrian-Open-Triumph brachte er die Emotionen ebenfalls auf den Punkt: „Es ist sehr schwierig für mich Luft zu bekommen. Ich freue mich so sehr. Ich habe mich hier wirklich durchgebissen.“ Und selbst sein Finalgegner Ross Smith erkannte es an: „Martin war wirklich gut und hat es total verdient.“
Privatleben und Alltag: was öffentlich bekannt ist – und was nicht
Martin Schindler hält sein Privatleben eher aus der Öffentlichkeit. Klar belegt sind vor allem die sportbezogenen Eckdaten: Geboren in Strausberg, aktiv als Profi auf der PDC-Tour, mit Wohnsitz in Deutschland. Über Familienstand oder einen erlernten Beruf gibt es öffentlich nicht durchgängig belastbare Angaben – und genau deshalb sollte man hier nicht spekulieren.
Was man aber seriös sagen kann: Auf der Tour ist Darts ein Vollzeitjob. Training, Reisen, Turnierblöcke, Match-Vorbereitung – dazu die mentale Arbeit, die auf diesem Niveau entscheidend ist. Schindlers Karriereverlauf spricht dafür, dass er diesen Profi-Alltag inzwischen sehr konsequent lebt.
Dass er seine Themen lieber über Leistung als über Show erzählt, passt wiederum zur Marke: „The Wall“ wird nicht über Lautstärke definiert, sondern über Ergebnisse – und seit 2024 auch über Trophäen.
Fazit
Martin Schindler steht exemplarisch für den nächsten Schritt im deutschen Darts: weg vom reinen „Mitmachen“, hin zu Titeln auf internationaler Ebene. European Tour, Players Championship, Major-Viertelfinals – das ist ein Paket, das ihn nicht nur zum deutschen Aushängeschild macht, sondern auch international Respekt erzeugt.
Der WM-Rückschlag 2025 war schmerzhaft, doch seine Antwort im selben Jahr zeigt: Schindler ist nicht nur in der Lage, Turniere zu gewinnen, sondern auch, Rückschläge zu verarbeiten. Genau das ist in der PDC oft die unsichtbare Grenze zwischen „gut“ und „dauerhaft oben“.
Faktenbox – Martin Schindler
- Name: Martin Schindler
- Spitzname: „The Wall“
- Geburtsdatum: 16. August 1996
- Geburtsort: Strausberg, Deutschland
- Wurfhand: Rechts
- Darts: 23g Bull’s Signature
- PDC: seit 2015 aktiv (Tour Card seit 2017)
- Walk-on-Songs (je nach Event): „J’adore Hardcore“ (Scooter), „Without Me“ (Eminem); zeitweise „Ich will“ (Rammstein)
- PDC-Ranglistentitel: 4 (3× European Tour, 1× Players Championship)
- European-Tour-Titel: International Darts Open 2024; Swiss Darts Trophy 2024; Austrian Darts Open 2025
- Players Championship: Sieger Players Championship 8 (2025)
- Major-Highlights: UK Open Viertelfinale 2023; World Grand Prix Viertelfinale 2023
- WM (letzte beiden): 2024 Last 32; 2025 Runde 2 (Auftaktmatch)
- Besonderheit: erster deutscher Neun-Darter auf der European Tour (Hungarian Darts Trophy 2024)
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