Der Grand Slam of Darts steht vor der größten Veränderung seiner jüngeren Geschichte. Erstmals kämpfen 48 statt 32 Spieler um die Eric Bristow Trophy. Doch die Erweiterung bedeutet keineswegs, dass der Weg in die K.o.-Phase leichter wird. Ganz im Gegenteil: Das neue Gruppenformat dürfte für zusätzliche Spannung und einige prominente Überraschungen sorgen.

Wenn am 14. November im WV Active Aldersley in Wolverhampton der Grand Slam of Darts beginnt, erwartet die Teilnehmer eine neue Herausforderung. Die PDC hat das traditionsreiche Major-Turnier grundlegend reformiert. Neben der Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 32 auf 48 Spieler verändert sich vor allem die Gruppenphase.

Statt acht Vierergruppen gibt es künftig 16 Gruppen mit jeweils drei Teilnehmern. Während bislang die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe die K.o.-Phase erreichten, qualifiziert sich ab sofort ausschließlich der jeweilige Gruppensieger für das Achtelfinale.

Damit ist das Weiterkommen deutlich anspruchsvoller geworden. Für die Favoriten bedeutet das: Schon ein schwacher Auftritt kann die Titelhoffnungen erheblich gefährden.

Nur noch zwei Gruppenspiele: Jeder Leggewinn kann entscheidend sein

In der neuen Gruppenphase absolviert jeder Teilnehmer lediglich zwei Begegnungen. Gespielt wird wie bisher über maximal neun Legs im Modus „Best of 9“. Wer zuerst fünf Legs gewinnt, entscheidet die Partie für sich.

Die verkürzte Gruppenphase verändert die Ausgangslage erheblich. Ein schlechter Turnierstart lässt sich nur noch schwer korrigieren, denn eine dritte Begegnung zur Wiedergutmachung gibt es nicht mehr.

Zudem können in einer Dreiergruppe alle drei Spieler jeweils eine Partie gewinnen und eine verlieren. In diesem Fall entscheiden die festgelegten Kriterien zur Auflösung des Gleichstands über den Gruppensieg. Entsprechend kann bereits ein einzelnes gewonnenes oder verlorenes Leg eine entscheidende Rolle spielen.

Die neue Konstellation verspricht besonders in den abschließenden Gruppenspielen zusätzliche Spannung. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass etablierte Spitzenspieler bereits frühzeitig ausscheiden.

Mehr Chancen für Außenseiter und internationale Spieler

Mit der Erweiterung auf 48 Teilnehmer öffnet die PDC das Turnier für zusätzliche Spieler aus unterschiedlichen Wettbewerbsserien.

Die Qualifikation erfolgt weiterhin über Erfolge bei den großen PDC-Turnieren. Hinzu kommen Startplätze über die European Tour, Players Championships sowie verschiedene internationale und nachgelagerte Touren.

Auch der Frauen- und Nachwuchsdarts bleibt ausdrücklich Teil des Qualifikationssystems. So hat sich Beau Greaves über ihre Finalteilnahme bei der Jugend-Weltmeisterschaft 2025 erneut einen Startplatz gesichert.

Zu den bereits qualifizierten Spielern gehören Titelverteidiger Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gian van Veen, Gerwyn Price und Ross Smith.

Aus deutscher Sicht sind unter anderem Martin Schindler und Gabriel Clemens bereits für Wolverhampton qualifiziert. Auch Jan Schmidt wird beim Grand Slam vertreten sein. Niko Springer sicherte sich seinen Startplatz beim Qualifikationsturnier am 6. November.

Gerade für weniger etablierte Spieler bietet das Turnier eine außergewöhnliche Gelegenheit: Zwei starke Leistungen in der Gruppenphase können bereits genügen, um sich gegen einen Favoriten durchzusetzen und das Achtelfinale zu erreichen.

Eine Million Pfund Preisgeld: Grand Slam wird weiter aufgewertet

Neben dem sportlichen Format hat die PDC auch das Preisgeld deutlich angehoben. Erstmals werden beim Grand Slam insgesamt eine Million Pfund ausgeschüttet.

Der Turniersieger erhält 200.000 Pfund, der Finalist darf sich über 100.000 Pfund freuen. Für die Halbfinalisten sind jeweils 60.000 Pfund vorgesehen, während die Viertelfinalisten 35.000 Pfund erhalten.

Selbst das Erreichen der Gruppenphase ist mit einem garantierten Preisgeld von mindestens 5.000 Pfund verbunden. Die Zweitplatzierten der Gruppen erhalten jeweils 12.500 Pfund.

Das höhere Preisgeld verleiht dem Turnier zusätzliche Bedeutung für die PDC Order of Merit. Insbesondere für Spieler, die um wichtige Ranglistenpositionen und zukünftige Setzplätze kämpfen, können erfolgreiche Auftritte in Wolverhampton erhebliche Auswirkungen haben.

Favoriten unter besonderem Druck

Titelverteidiger Luke Littler gehört auch 2026 zu den großen Favoriten. Der Engländer gewann den Grand Slam bereits 2024 und 2025 und strebt damit seinen dritten Triumph in Folge an.

Allerdings könnte das neue Format gerade für die hoch eingeschätzten Spieler zur Herausforderung werden.

Anders als in früheren Jahren reicht der zweite Platz innerhalb einer Gruppe nicht mehr für das Weiterkommen. Selbst eine knappe Niederlage gegen einen Außenseiter kann deshalb schwerwiegende Folgen haben.

Das eröffnet wiederum Möglichkeiten für Spieler, die über eine kurze Distanz besonders starke Leistungen abrufen können. Im Best-of-9-Modus können wenige außergewöhnliche Aufnahmen oder eine starke Doppelquote den Ausschlag geben.

Ob das neue System tatsächlich mehr Überraschungen produziert, wird sich erst im Turnierverlauf zeigen. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls gegeben.

Zehn Startplätze am 6. November vergeben

Beim Tour-Card-Holder-Qualifier am 6. November in Leicester sicherten sich Stephen Bunting, Maik Kuivenhoven, Tom Sykes, Rusty-Jake Rodriguez, Niko Springer, Ricky Evans, Carl Sneyd, Bradley Brooks, Joe Cullen und Alan Soutar die zehn verfügbaren Startplätze.

Aus deutscher Sicht setzte sich Niko Springer in der entscheidenden Runde mit 5:1 gegen Stefaan Henderyck durch. Ricardo Pietreczko und Max Hopp schieden dagegen aus. Auch Danny Noppert, Peter Wright, Raymond van Barneveld und Michael Smith verpassten die Qualifikation über dieses Turnier.

Ein Grand Slam mit völlig neuer Dynamik

Vom 14. bis 22. November wird Wolverhampton erneut zum Schauplatz eines der traditionsreichsten Major-Turniere im PDC-Kalender.

Die Erweiterung auf 48 Spieler ist dabei weit mehr als eine organisatorische Veränderung. Sie eröffnet zusätzlichen Spielern die Teilnahme an einem der wichtigsten Turniere des Jahres, verschärft gleichzeitig aber den Kampf um die Plätze in der K.o.-Phase.

Ausgerechnet das größere Teilnehmerfeld könnte somit zu einem kompromissloseren Wettbewerb führen.

Denn beim Grand Slam of Darts 2026 gilt mehr denn je: Zwei Gruppenspiele können über Erfolg oder Enttäuschung entscheiden.

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