Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld haben den World Cup of Darts 2017 für die Niederlande gewonnen. Im Finale schlugen die Nummer eins und zehn der Welt Wales mit 3:1. Für positive Überraschungen in der Frankfurter Eissporthalle sorgten Singapur, Russland und das deutsche Team mit Max Hopp und Martin Schindler.

 

Das Endspiel der siebten Auflage des Nationenturniers war am Ende eine klare Sache für die Niederlande. Bei der Neuauflage des allererstes Endspiels dieses Wettbewerbs aus dem Jahre 2010 schlug MVG Gerwyn Price zunächst glatt mit 4:0, bevor Mark Webster mit einem 4:1-Erfolg über Barney ausgleichen konnte. Das Doppel ging dann allerdings mit 4:1 deutlich an die Niederlande. Im dritten Einzel musste Price nun gegen van Barneveld gewinnen, um sein Land im Spiel zu halten. Aber trotz gutem Start war er am Ende chancenlos gegen einen gut aufgelegten Kontrahenten. Barney gewann mit 4:2 und sicherte der Niederlande damit den dritten Titel nach 2010 und 2014.

Für die Waliser war es dennoch ein fantastisches Turnier. Gegenüber der PDC sagte Price später in einem Interview, dass man vor dem Turnier die Finalteilnahme sofort genommen hätte. In der ersten Runde hatten die Briten noch Probleme, konnten sich nur denkbar knapp mit 5:4 gegen Finnland durchsetzen. Danach folgten jeweils Zu-Null-Siege gegen Irland, die überraschend starken Russen und Belgien im Halbfinale.

 

Deutschland lässt die Halle beben

Für die Gastgeber aus Deutschland dürfte dieser World Cup of Darts unvergessen bleiben. Die Auslosung bescherte Max Hopp und Martin Schindler mit Nordirland eine schwierige erste Aufgabe, wartete doch mit Daryl Gurney ein absoluter Topspieler auf der anderen Seite. Und auch wenn die besten Zeiten von Brendan Dolan schon etwas länger zurückliegen, verfügt er dennoch über mehr Erfahrung als die beiden 20-jährigen Deutschen, insbesondere als Debütant Schindler. Aber Team Deutschland zeigte, angepeitscht vom Publikum, eine starke Leistung und besiegte Nordirland in einer an Spannung kaum zu überbietenden Partie mit 5:4. Im letzten Leg verpasste Hopp den ersten Matchdart auf Double 20 und musste dann mitansehen wie Daryl Gurney fast ein High-Finish zum Sieg auspackte. Aber der Nordire vergab seinen Matchdart auf Double 12 denkbar knapp. Der Druck lastete dann bei 40 Rest auf Schindler. Die ersten beiden Darts verfehlten ihr Ziel relativ klar, aber der dritte und letzte Pfeil fand die anvisierte Doppel 10. Deutschland zog damit ins Achtelfinale ein.

Dort warteten die Brasilianer, die sich in Runde eins mit 5:4 gegen die Schweiz durchgesetzt hatten. Doch die Südamerikaner konnten nicht an ihre Leistung aus der Auftaktpartie anknüpfen. Alexander Sattin erreichte in seinem Duell mit Martin Schindler nie ein bühnenwürdiges Niveau und verlor sang- und klanglos mit 0:4. Auch Diego Portela fand nicht zu seinem Spiel und unterlag einem gut aufgelegten Hopp mit 1:4. Deutschland war damit im Viertelfinale.

In der Runde der letzten Acht stand dann mit der Niederlande als Gegner quasi eine Mission Impossible an. Doch zunächst überraschte Martin Schindler alle, als er mit 2:0 gegen Michael van Gerwen in Führung ging. Doch MVG wäre nicht MVG, wenn er nicht zu fast jedem Zeitpunkt noch zulegen könnte. Die Nummer eins der Welt drehte die Partie und gewann vier Legs in Folge zum 4:2. Danach musste der Maximiser seine Partie gegen van Barneveld gewinnen, um Deutschland im Turnier zu halten. Und Hopp startete ebenso stark wie Schindler, die ersten beiden Legs sicherte er sich. Im dritten Leg vergab der Maximiser dann vier Darts zur vorentscheidenden 3:0-Führung. Barney sicherte sich das Leg und gewann auch die nächsten beiden, sodass sich die Geschichte aus dem ersten Einzel zu wiederholen drohte.

Doch beim Stand von 3:2 und Vorsprung im sechsten Leg fabrizierte Barney plötzlich einige schwache Darts und warf bei 76 Rest mit seinen drei Pfeilen zunächst nur eine 24, um dann bei der nächsten Aufnahme zwei Matchdarts zu vergeben. Damit gab er Hopp, der sich mittlerweile auf 105 Rest runtergespielt hatte, doch noch eine Chance auf den Legausgleich. Und Hopp nutze diese in starker Manier. Im Entscheidungsleg startete Hopp gleich mit einer 180 und war dann auch zuerst im Finish-Bereich. Der Hesse ließ zwei aber Matchdarts ungenutzt und musste zittern. Doch auch Barney konnte den Sack nicht zumachen. Mit drei frischen Darts kam der sichtlich nervöse Maximiser an den Oche – und setzte dann den zweiten Pfeil in die Double 4 zum vielumjubelten Sieg. Die Halle kochte, Hopp musste mit den Tränen kämpfen.

Im Doppel zeigte sich dann aber die größere Erfahrung und Klasse der Niederländer. Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld setzten sich klar mit 4:1 durch. Dennoch, die beiden jungen Deutschen können mit ihrem Auftritt in Frankfurt zufrieden sein. Vielleicht gibt das Turnier dem kriselnden Hopp wieder etwas Selbstvertrauen für die Tour zurück. Für Martin Schindler war es mit Sicherheit eine mehr als wertvolle Erfahrung in seinem ersten Jahr auf der Profitour.

Singapur und Russland überraschen

Positiv zu erwähnen sind bei dem World Cup of Darts 2017 noch Singapur und Russland, die sich beide völlig überraschend ins Viertelfinale spielten. Singapur sorgte dabei gleich in Runde eins für die größte Überraschung des Turniers, als sie sich mit 5:2 gegen Turnierfavorit Schottland durchsetzen. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass Peter Wright und Gary Anderson beide eine schwache Vorstellung im ungewohnten Doppel zeigten. Dennoch waren die Asiaten spätestens nach dieser Partie Publikumslieblinge. In der zweiten Runde konnten Paul und Harith Kim noch Spanien mit 2:1 bezwingen, bevor im Viertelfinale mit 0:2 gegen Belgien Schluss war.

Das russische Team siegte in Runde eins mit 5:3 gegen Hong Kong und schaffte dann in der zweiten Partie die Riesenüberraschung gegen Australien. Die beiden Kims setzen sich mit 2:1 durch. Im Viertelfinale war dann aber gegen Wales Schluss.

Für unsere Nachbarn aus Österreich endete das Turnier ebenfalls in der Runde der letzten Acht. Nach glatten Siegen über China und Kanada mussten Mensur Suljovic und Rowby-John Rodriguez sich Titelverteidiger England knapp mit 1:2 geschlagen geben, nachdem Suljovic sein Land mit einem 4:0-Sieg gegen Adrian Lewis zunächst in Führung gebracht hatte.

(SCH)

 

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