Der Altmeister des Darts hat im Spätherbst seiner Karriere noch mal einen großen Titel gewonnen. Nach Siegen über Gerwyn Price, Raymond van Barneveld, Michael van Gerwen und Adrian Lewis besiegte Phil Taylor im Finale des World Machtplay Peter Wright klar mit 18:8 und sicherte sich somit bei seinem letzten Auftritt beim World Matchplay seinen 16. Titel.

 

Vor dem Turnier galt der Rekordweltmeister nicht als einer der Favoriten, waren doch die Leistungen bei seinen bisherigen wenigen Saisonauftritten eher dürftig. Schon in seinem Auftaktspiel gegen Daryl Gurney hatten nicht wenige dem nordirischen Kraftpaket gute Chancen gegen Taylor eingeräumt. Und nach der zweiten Pause stand es tatsächlich 5:5 in einem bis dato ausgeglichenen Spiel. Dann aber verpasste „Iceman“ einige Gelegenheiten auf Doppel und musste Taylor auf 8:5 davonziehen lassen. Von den vergebenen Chancen erholte Price sich nicht mehr – auch die letzten beiden Legs gingen an den Rekordweltmeister.

Im Achtelfinale kam es zum „El Classico“ des Darts – Taylor traf zum 80. Mal auf seinen alten Dauerrivalen Raymond van Barneveld. Bis zum 4:3 war das Duell noch relativ ausgeglichen, weil beiden einige Schwächen auf die Doppel zeigten. Dann aber konnte Taylor diesen Makel in seinem Spiel beseitigen – und Barney nicht. Der Niederländer verlor zusehends die Lust und holte kein einziges Leg mehr. Taylor siegte mit 11:3.

Im Viertelfinale traf der beste Spieler aller Zeiten dann auf die aktuelle Nummer eins. Es sollte für den nicht gerade unter mangelnden Selbstbewusstsein leidenden Michael van Gerwen ein denkwürdiger Abend werden.

Denn das Publikum zeigte von Beginn an, auf wessen Seite es stehen würde. Mehr noch – van Gerwen wurde konsequent ausgebuht, während Taylor frenetisch bejubelt wurde. Und die ungewohnt negativen Reaktionen der Fans zeigten Wirkung. MVG scorte zwar zu Beginn besser als Taylor, traf aber die Doppel nicht. So gingen von den ersten fünf Legs vier an den Engländer. Auch die zweite Session ging mit 4:1 an Taylor, der immer besser wurde, während MVG die äußeren Ringe einfach zu selten traf. Die 8:2-Führung ließ sich The Power nicht mehr nehmen. Am Ende gab es einen deutlichen 16:6-Erfolg für Taylor, der mit 101,85 zwar nur einen leicht besseren Average als sein Gegner spielte (101,07), sich dafür aber sicher auf den Doublefeldern zeigte. Denn während Taylors Quote bei starken 57 % lag, traf MVG mit seinen 22 % gerade mal jedes fünfte Doppel.

In der Vorschlussrunde traf Taylor dann auf seinen ehemaligen „Ziehsohn“ Adrian Lewis. Und dieser zeigte sich am Anfang stärker als in den wenig überzeugenden Partien zuvor und ging schnell mit 3:1 in Führung. Zwar egalisierte Taylor das Break sofort, konnte sich aber diesmal nicht früh absetzen. Beim Stand von 8:7 gelang Taylor dann ein vorentscheidendes Break. Von da an wurden die immer wieder auftauchenden Schwächephasen bei Lewis regelmäßiger, während Taylor immer sicherer wurde. Am Ende siegte der Rekordweltmeister klar mit 17:9.

Im Endspiel kam es zum Duell mit Peter Wright, der in diesem Jahr noch einmal einen Sprung gemacht hat und mittlerweile als Herausforderer Nummer eins von Michael van Gerwens Dominanz gilt. Doch an diesen Abend des 30. Juli 2017 hatte Snakebite seinem Gegner nichts entgegen zu setzen.

Beim Scoring nahmen sich die beiden nicht viel, es waren wieder einmal die Würfe auf die Doppel, die den Unterschied ausmachten. Taylor zeigte sich über die gesamte Partie sicher auf die äußeren Ringe, während Wright immer wieder Schwächen offenbarte. Mit zunehmender Dauer wirkte der Schotte ob der vielen verpassten Chancen immer unzufriedener und hadernder mit seinem Spiel. Das half seine Vorstellung nicht gerade. Am Ende wurde es für Taylor ein glatter 18:8-Erfolg zu seinem 16. Titel beim World Matchplay. Dabei spielte der Altmeister einen Average von 104,24 und hatte eine Doppelquote von 54 Prozent.

Vor einer Woche hätten die meisten Fans und Experten Taylors Chancen auf einen weiteren, letzten WM-Titel wohl als gering gesehen. Nun, fünf Monate vor der dem Ally Pally, hat The Power sich zurück auf die Liste der absoluten Topfavoriten gespielt.

Neben Taylor waren Daryl Gurney und Adrian Lewis die positiven Überraschungen des Turniers. Lewis konnte nach einer bisher schwachen Saison mal wieder ein Halbfinale bei einem Major erreichen. Und der Nordire Daryl Gurney setzt seinen Weg Richtung Top Ten unbeirrt fort. Nach drei Siegen in engen Partien (11:9 gegen Benito van de Pas und gegen Gary Anderson sowie 16:13 gegen Mensur Suljovic) war für ihn nach tollem Kampf erst im Halbfinale gegen Peter Wright Schluss (15:17) Als Lohn für seine Leistungen wurde Gurney nach Las Vegas nun auch für die World-Tour-Events in Auckland, Perth und Melbourne eingeladen.

(SCH)

Erste Runde:
Michael Smith 5:10 Steve West
James Wade 11:13 Darren Webster
Gary Anderson 10:7 Christian Kist
Peter Wright 10:8 James Wilson
Jelle Klaasen 5:10 Justin Pipe
Robert Thornton 3:10 Cristo Reyes
Benito van de Pas 9:11 Daryl Gurney
Mensur Suljovic 10:4 John Henderson
Dave Chisnall 10:7 Mervyn King
Phil Taylor 10:5 Gerwyn Price
Raymond van Barneveld 10:8 Joe Cullen
Kim Huybrechts 6:10 Alan Norris
Simon Whitlock 10:5 Kyle Anderson
Adrian Lewis 10:7 Steve Beaton
Michael van Gerwen 10:4 Stephen Bunting
Ian White 7:10 Rob Cross

Zweite Runde:
Mensur Suljovic 11:6 Justin Pipe
Darren Webster 11:7 Steve West
Gary Anderson 9:11 Daryl Gurney
Peter Wright 11:4 Cristo Reyes
Dave Chisnall 12:14 Alan Norris
Adrian Lewis 11:8 Rob Cross
Phil Taylor 11:3 Raymond van Barneveld
Michael van Gerwen 11:3 Simon Whitlock
Viertelfinale:
Daryl Gurney 16:13 Mensur Suljovic
Darren Webster 12:16 Peter Wright
Alan Norris 13: 16 Adrian Lewis
Michael van Gerwen 6:16 Phil Taylor

Halbfinale:
Daryl Gurney 15:17 Peter Wright
Phil Taylor 17:9 Adrian Lewis

Finale:
Phil Taylor 18:8 Peter Wright

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