Max „Maximiser“ Hopp hat Dartsgeschichte geschrieben und die German Darts Open in Saarbrücken gewonnen. Mit dem 8:7 im Finale gegen Michael Smith sicherte sich der Idsteiner als erster Deutscher überhaupt einen Pro-Tour-Titel bei der PDC. Neben einem Platz in den Geschichtsbüchern darf der 21-Jährige sich über 25.000 Pfund Preisgeld sowie die sichere Qualifikation für die EM, WM, World Matchplay und den World Grand Prix freuen. Zudem wäre Hopp Stand jetzt für die nächsten Turniere auf der Pro Tour gesetzt.

 

Schon in den letzten Wochen zeigte Max Hopp, dass er seine ca. 18 Monate lange Formschwäche anscheinend überwunden hat. Noch vor drei Wochen musste er nicht nur erneut um die WM-Teilnahme, sondern auch um seine Tourkarte fürchten. Dann kam die Wende beim zweiten Turnier der European Tour in München. Hopp besiegte zum Auftakt Rowby-John Rodriguez in einem Spiel auf bescheidenem Niveau mit 6:4 und zog damit in Runde zwei ein. Der Unterschied zu vielen Spielen in den Monaten zuvor war, dass der Maximiser sich in den entscheidenden Phasen stark auf die Doppel zeigte. So sicherte er sich zum Ende der Partie zwei Legs über das Bulls Eye. In der zweiten Runde traf Hopp auf Lieblingsgegner Mervyn King. Hopp besiegte King zum vierten Mal im fünften Aufeinandertreffen und zeigte sich gegenüber seiner ersten Partie gegen Rodriguez stark verbessert. Im Achtelfinale dann packte der Deutsche eine Weltklasse-Leistung aus, schlug Mensur Suljovic mit 6:2, spielte dabei einen Average von knapp 102 Punkten. Zum zweiten Mal nach Hamburg 2016 erreichte Hopp damit das Viertelfinale auf der European Tour. Auch wenn er dort mit 3:6 gegen James Wade verlor, gab dieser Auftritt Anlass zur Hoffnung, dass die deutsche Nummer eins ihr Tief überwunden hat.

Nur eine Woche später erreichte der Maximiser erneut ein Viertelfinale. Beim siebten Event der Players Championship in Barnsley schlug Hopp unter anderem Darren Webster und Daryl Gurney, bevor er sich Jeffrey De Zwaan mit 5:6 geschlagen geben musste. Tags darauf drang der Deutsche immerhin bis ins Achtelfinale vor, bevor er sich Josh Payne mit 3:6 geschlagen geben musste.

Hopp hatte damit innerhalb von knapp einer Woche mit 7.750 Pfund Preisgeld fast schon so viel gewonnen wie im ganzen letzten Jahr.

Das Wunder von Saarbrücken

In Saarbrücken sollte er endgültig des Rucksacks des ewigen Talents ablegen und sich in die Geschichtsbücher des Dartsports werfen.

Am Donnerstag musste Hopp sich zunächst über den Host Nation Qualifier für das Hauptfeld qualifizieren. Nachdem er im ersten Spiel zittern musste (6:5 gegen Bernd Roith) gelang ihm das souverän. Im Anschluss qualifizierte er sich auch noch für das vierte European Tour Event in Graz.

Zum Auftakt im Hauptfeld schlug Hopp Österreichs Zoran Lerchbacher souverän mit 6:1, überzeugte dabei erneut mit einem Average von knapp 100 Punkten. Am Samstag traf er auf die Nummer zwei der Welt, Peter Wright, und konnte diesen nach 2:4-Rückstand sensationell mit 6:4 besiegen. Die Halle in Saarbrücken kochte. Aber es sollte noch so viel besser kommen. Im Achtelfinale am Sonntag setzte Hopp sich zunächst gegen Benito van de Pas mit 6:4 durch, wobei der Deutsche in dieser Partie seine schlechteste Leistung der letzten Wochen zeigte. Vielleicht war er sich seiner Favoritenrolle gegen den seit Monaten kriselnden van de Pas zu bewusst, vielleicht auch der Tatsache, dass ein Sieg ihn in die Position bringen würde, aktuell fürs World Matchplay qualifiziert zu sein. Am Ende setzte Hopp sich mit Hängen und Würgen gegen den Niederländer durch, überzeugte dabei zwar von den Scores, hatte aber eine miserable Doppelquote von unter 20 Prozent.

Im Viertelfinale gegen Joe Cullen zeigte Hopp wieder das Gesicht der letzten Wochen und siegte ebenfalls mit 6:4. Schon der Halbfinaleinzug war ein historischer Erfolg, war es doch das erste Halbfinale für einen deutschen Spieler bei einem PDC-Event der Pro Tour.

In der Vorschlussrunde kam es dann zu einem Thriller gegen den aktuellen Weltmeister Rob Cross. Dieser ging schnell mit 2:0 in Führung, Hopp startete bescheiden in die Partie. Doch wer jetzt dachte, der Run des Idsteiners hätte sein Ende gefunden, der täuschte sich. Mit einem 11-Darter holte er sich das Break zurück und brachte danach seinen Anwurf zum 2:2 durch. Von da an war die Partie ausgeglichen. Mit dem Break zum 5:4 ging Hopp erstmals in Führung. Doch Cross holte sich das direkte Rebreak. Mit einem Finish von 120 zum Break sicherte der Deutsche sich unter dem frenetischen Jubel der Fans in der Halle das 6:5, verpasste dann aber bei eigenem Anwurf drei Matchdarts. Cross glich zum 6:6 aus und hatte im Decider den Anwurf. Doch Hopp zeigte, dass ihn an diesem Tag nichts aus der Ruhe bringen konnte. Mit einem 12-Darter inklusive 121er-Finish schnappte er sich das Break und damit den Sieg gegen „The Voltage“.

Im Finale traf Hopp dann auf den formstarken Michael „Bully Boy“ Smith, der dieses Jahr schon zwei Turniere gewann und auch in der Premier League vorne dabei ist. Hopp startete nervös in sein erstes PDC-Finale und lag gegen einen gut aufgelegten Smith schnell mit 1:4 zurück. Doch der Maximiser kämpfte sich mit Unterstützung des Publikums in die Partie. Beim Stand von 4:6 gelang den Idsteiner das erste Break, das er danach bestätigte und somit zum 6:6 ausglich. Weil er im darauffolgenden Leg ein 170er-Finish knapp verpasste, ging Smith mit 7:6 in Führung. Hopp brachte seinen eigenen Anwurf zum 7:7 durch. Wie im Halbfinale gegen Cross musste also ein Entscheidungsleg her. Und weil es gegen den Weltmeister so gut geklappt hatte, machte Hopp es einfach noch mal: Mit einem 12-Darter und einem 121er-Finish übers Bulls Eye holte Hopp sich den historischen Sieg.

„Keiner kann sich vorstellen, was mir dieser Erfolg bedeutet”, so der „Maximiser” nach seinem historischen Triumph. „Ein grandioses Wochenende, es hat einfach alles gepasst.”

Max Hopp ist damit also der erste deutsche Spieler, der ein PDC-Turnier der Profis gewann, nach Mensur Suljovic erst der zweite Spieler, dessen erster Titel ein Event der European war und neben James Wade, Vincent van der Voort und John Part der einzige European-Tour-Gewinner, der vorher durch die Qualifikation musste.

Der Titel bringt Hopp 25.000 Pfund Preisgeld, die sichere Qualifikation für die EM, WM, World Matchplay und den World Grand Prix. Außerdem ist er durch seine Qualifikation für Graz nächste Woche virtuell auf Platz 16 der Pro Tour Order of Merit, wodurch er für weitere Events der European Tour gesetzt wäre. Es kann also gut sein, dass wir uns bald auf fünf deutsche Spieler bei der European Tour auf heimischen Boden einstellen können.

Deutschland hat endlich seinen Darts-Star!

(SCH)

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